BÖSE HISTORY BOX #21: Treibstoff (2008)

Gerade zurück aus Australien, Sven & Örbi neu mit im Boot.
Alle auf der Suche nach was Neuem, wenigstens für uns selbst.
Erstmal das ganze Rohmaterial bewußt auf Tanzbarkeit abgeklopft, was uns früher im Grunde scheißegal war, und etwas anders klingen sollte es auch.
Dass dieser seltsame Punk-Hiphop-Song „Raus“ sich ganze 3 Monate in den Njoy-Hörercharts auf 1 hält, war eher unerwartet.
Für Peter Fox auf 2 wohl auch. Eine junge Dame namens Cäthe war gerade in die Stadt gezogen auf der Suche nach Musik und sich selbst.
Wie so viele Musiker landete sie nachts in unserer Stammkneipe BP1 (R.I.P).
Lesley hatte gerade einen ziemlich ekligen Song geschrieben, der ohne weibliches Pendant, inhaltlich kaum zu retten war.
Dieses wunderbare Geschöpf stand am nächsten Tag bei uns im Studio, so entstand „Sex mit Cäthe“. Anschließend hat sie noch wesentlich bessere Songs allein geschrieben und fährt seitdem Solo ziemlich schnell auf der Erfolgsspur.
Wir bedanken uns herzlich bei dir, dass wir dadurch in den Genuß kamen, Bjoerns weibliche Seite kennenlernen zu dürfen, der später deinen Part übernahm.

 

Konzert: 3.6. im Schanzenzelt in Hamburg, Tickets, Veranstaltung bei Facebook

BÖSE HISTORY BOX #20: What about the Widderman

Stellt euch vor, eine Band, an die ihr geglaubt habt, löst sich mit einem großen Knall auf. Es kommt das typische „Schnauze voll“-Gefühl und „bidde ersma KEINE Band“.
Zwei Tage später klingelt dein Handy und etwas unverhofftes passiert…
„Hi Örbi, hier is Bente von ‚Der Fall Böse‘. Wir kennen uns noch über Henry, als ihr mit Richard und ‚Soup de Nüll‘ hier in Billbrook geprobt und in meinem Studio aufgenommen habt. Was machst du gerade so, äh musikalisch…hättest du Lust bei uns reinzuschnuppern…unser Gitarrist steigt aus!?“
KURZE PAUSE
Ich: „Äh….klar…können wir versuchen, passt gerade…äh…“
Bente fällt mir gekonnt ins Wort: „Also, wie, wann und wo klären wir dann noch. COOL! …also bis dann!“ KLICK
…dann kamen die ersten Gedanken:
Machen die nicht so öde Feierabendfunkmucke!?!….und überhaupt, was für ein SCHEISS NAME!!!…fand ich früher schon nen Grund, nicht zu den Konzerten zu gehen. MIST!
EGAL…gucken kost nix!
Dann ging alles ziemlich schnell… Ein Treffen mit Günni, der jetzt lieber Geigen backen wollte, statt weiterhin Gitarre zu spielen und eine Probe hatten mich angefixed!
„Du musst dir jetzt nur noch Unterhemden für die Gigs kaufen!“
WAS MUSS ICH??? ACH DU SCHEISSE!!!
…fast ein Grund wieder auszusteigen!
Meine Premiere war dann der Gig beim Campus Open Air in Hamburg am 3.6.2007….und neun Jahre und vier Alben später feiere ich mit diesen sympathischen Arschgeigen deren 20jähriges!
FANTASTISCH!!!
Solch einen enormen Spaßfaktor hab ich bei ner Band selten erlebt!
Ihr seid echt süße Spinner!!!
DANKE BENTE, das war perfektes Timing…

 

Konzert: 3.6. im Schanzenzelt in Hamburg, Tickets, Veranstaltung bei Facebook

BÖSE HISTORY BOX #20: Australien

Auf dem miesesten Konzert einer verkorksten Tour im ostfriesischen Hinterland beschließen wir, es in Zukunft besser zu machen und setzen uns ein großes Ziel: „Die nächste Tour machen wir durch Australien! Prost!“ 2007 war es tatsächlich soweit – von einem Zweimann-Filmteam begleitet, flogen wirlos ins Abenteuer. Hamburg – Sydney, 5 Wochen Australien, Hochsommer und 12 Konzerte. Goldene Zeiten!

Aus dem damaligen Reisetagebuch hier der Eintrag des letzten Tourtages sowie die Video-Blog Playlist:
Last Exit Katoomba – Triselies 02.03.07
Nach einer nicht enden wollenden Autofahrt, erreichen wir gegen ein Uhr nachts Katoomba. Eine kleine Bergstadt in den Blue Mountains, ca. 2 Stunden von Sydney entfernt. Wir wecken die Empfangsdame vom Hotel und schlafen anschliessend wie Steine. Gegen späten Mittag bringen wir unser Equipment in den Club und haben ein wenig Zeit uns umzuschauen. Katoomba hat eine lange Hauptstrasse mit vielen kleinen Shops und Restaurants.]Allerdings ist sie extrem abschüssig und wäre somit eher für einen Downhill-Parcours für Mountainbiker geeignet. Es ist praktisch unmöglich, draussen Kaffee zu trinken, da die Tassen nach dem Abstellen vom Tisch rutschen. Eines dieser unzähligen, kleinen Details, die einen durch Australien verfolgen. Was mich mit diesem Ort verbindet, ist die Tatsache, dass eine Reihe der Texte unseres zweiten Albums „Viva dieser Tag“ auf einer kleinen Wiese in eben genau dieser Strasse entstanden sind. Verständlich, dass schnell so etwas wie ein heimisches Gefühl aufkommt. Gegen 23h ist der Laden ganz gut gefüllt und wir mobilisieren noch einmal die letzten Kräfte für die nächsten zwei Stunden und rocken uns noch ein letztes Mal die Seele aus dem Leib. Der letzte Ton, sieben Leute liegen über die Bühne verteilt auf dem Boden. Vorbei, Das war’s. Am nächsten Morgen versucht uns die Filmcrew weißzumachen, dass unser Tourbus über nacht gestohlen worden ist; hat aber keinen interessiert. Eine kleine Anekdote am Rande: Wenn ich mich recht entsinne, war es 1997, als Bente und ich genau hier die Geburtsstunde von Der Fall Böse erlebten. Eine richtige Band gab es damals noch nicht. Eine Open-Jam Session kam uns sehr gelegen. Bente am Schlagzeug, ein Typ, der sämtliche Hendrix-Riffs rauf und runter spielte, ein uralter Freak am Bass und ich am Mikrofon. Wir spielten zwei Stücke. Die ersten beiden Böse-Texte begleitet von Jimi Hendrix-Crossover-Style. Ein völlig unwirkliches Erlebnis damals. Als ich den alten Bassisten anschliessend bei ein paar Bier fragte, was er denn so beruflich macht, sagte er: „ ich gebe Menschen Ratschläge“. Welche Art von Ratschlägen?, fragte ich. „Ratschläge, die dir helfen zu überleben, brauchst du einen?, kostet dich 10 Dollar“. Die Barbesitzerin sagte:“you guys made history in this club, you have to come back sometimes“. Ich antwortete: ”vielleicht eines Tages, wenn wir reich und berühmt sind“. Nun, wir sind nicht reich, und wir sind auch nicht berühmt und werden es wohl auch nicht werden, aber es gibt die Band und wir sind wieder hier. Das ist doch wohl das einzige, was zählt. Hier begann alles und hier schliesst sich der Kreis.

BÖSE HISTORY BOX #19: HAMBURG – PARIS – HASELÜNNE

„ZEITSPRUNG AKTIVIERT!“ WWHHHHOOOOOOOOSSSSSSSST!
Wir befinden uns in dem üblichen unbequemen blauen Sprinter. Es ist Nacht. Gelbe Autobahn-Laternen ziehen im gleichmäßigen Rhythmus vorbei.
Wir sind auf dem Weg nach Paris, um dort bei Arte in einem Studio aufzutreten und natürlich um gefilmt zu werden.
Wir befinden uns offensichtlich gerade in Belgien. Es läuft Pink Floyds „Darkside Of The Moon“ im Cassettenradio.
Joe ist noch nie durch eine Maut-Station gefahren und fragt, wie das wohl abläuft. Die erste Seite der Cassette ist soeben zuenede gegangen. Sie wird umgedreht, und wir beginnen zu erklären.: „Das ist eigentlich genau wie an einer Grenze, bloß dass du nicht einen Ausweis vorzeigst,  sondern einige Münzen in den dafür vorgesehenen Schlitz wifrst.“
In diesem Moment beginnt das Intro von „Money“: *KATSCHING* *RATSCH* KLÖTER* *RATSCH* *KATSCHING*
Der Jubel über diesen genialen situationsbezogenen Soundtrack kennt keine Grenzen!

Morgens in Paris angekommen, direkt ins Studio. Soundcheck – Aufnahme – im Kasten. Jetzt die Kür. Wir sollen live im Sprinter spielen, WÄHREND DER FAHRT.
Alles hat irgendwann mal ein erstes Mal. Wir spielen 2 Songs. SURFING BIRD gehört seit langem zu den am häufigsten angesehene Videos in unserem Channel. Doch auch eine Live&Unterwegs-Version des Police-Klassikers „ROXANNE“ wurde auf Band festgehalten. Bisher kaum bemerkt, daher hier der Verweis.
Am darauf folgenden Tag ist der 14.Juli, und somit Nationalfeiertag. wir frühstücken auf einer 5x4Meter großen, parkähnlichen Rasenfläche mit Baguette, Camembert und Tomaten, und haben für die hinter uns auffahrenden Panzer und anderen militärischen Fahrzeuge nur ein mildes Lächeln übrig. „Is wie 1.Mai inne Schanze, bloß ruhiger…“
Abends haben wir vor, Straßenmusik vor den voll besetzten Treppen der Pariser Oper zu machen. Es kommt tierisch an. Nur nicht bei einer kleinen Gruppe Super-Arschgeigen, die meinen, es wäre witzig, uns mit Böllern zu bewerfen. Einer geht ungefär 50cm vor Lesleys Gesicht hoch. Wer ihn kennt, weiß, dass er in seinem Tagesjob doch sehr auf die Ohren angewiesen ist.
Daran ist in dieser Sekunde allerdings nicht zu denken. Das Gesicht etwas Ruß-geschwärtzt, wird weitergespielt. Der Jam ist heiß!

Ein großer Tross an Freunden hat uns auf eigene Faust mit Wohnmobil begleitet. Mit an Bord: unser späterer Bassman, Svendrix. Im Convoi geht es am nächsten Morgen zurück.
Allerdings noch nicht nach Hause. Wir spielen heute Abend bei unseren Freunden von den Morbid Minds auf ihrem Festival im Emsland. Lustigerweise sitzt in unserem Sprinter ein komplett betrunkener Russe. „CHALLO, Ichch bien Gregor. Ichch fahren mit Deutschland.“ Ok, wenn er das sagt. Er begleitet uns zum Festival. Dort müssen wir nach einem hervorragendem Konzert und Abend leider mit nicht vorhandenen Schlafplätzen vorlieb nehmen. Das wurde wohl irgendwie vergessen. Ist aber kein Thema, denn wir habenn ja Spaß und uns und Gregor.
Irgendwie geht die Nacht vorrüber. Irgendwie schaffen wir es nach Hamburg. Irgendwo in Hamburg lassen wir Gregor ziehen.
Irgendwie ein geiler Trip!

Danke an die wilde 13 von Paris!