#20: Australien

Auf dem miesesten Konzert einer verkorksten Tour im ostfriesischen Hinterland beschließen wir, es in Zukunft besser zu machen und setzen uns ein großes Ziel: „Die nächste Tour machen wir durch Australien! Prost!“ 2007 war es tatsächlich soweit – von einem Zweimann-Filmteam begleitet, flogen wirlos ins Abenteuer. Hamburg – Sydney, 5 Wochen Australien, Hochsommer und 12 Konzerte. Goldene Zeiten!

Aus dem damaligen Reisetagebuch hier der Eintrag des letzten Tourtages sowie die Video-Blog Playlist:
Last Exit Katoomba – Triselies 02.03.07
Nach einer nicht enden wollenden Autofahrt, erreichen wir gegen ein Uhr nachts Katoomba. Eine kleine Bergstadt in den Blue Mountains, ca. 2 Stunden von Sydney entfernt. Wir wecken die Empfangsdame vom Hotel und schlafen anschliessend wie Steine. Gegen späten Mittag bringen wir unser Equipment in den Club und haben ein wenig Zeit uns umzuschauen. Katoomba hat eine lange Hauptstrasse mit vielen kleinen Shops und Restaurants.]Allerdings ist sie extrem abschüssig und wäre somit eher für einen Downhill-Parcours für Mountainbiker geeignet. Es ist praktisch unmöglich, draussen Kaffee zu trinken, da die Tassen nach dem Abstellen vom Tisch rutschen. Eines dieser unzähligen, kleinen Details, die einen durch Australien verfolgen. Was mich mit diesem Ort verbindet, ist die Tatsache, dass eine Reihe der Texte unseres zweiten Albums „Viva dieser Tag“ auf einer kleinen Wiese in eben genau dieser Strasse entstanden sind. Verständlich, dass schnell so etwas wie ein heimisches Gefühl aufkommt. Gegen 23h ist der Laden ganz gut gefüllt und wir mobilisieren noch einmal die letzten Kräfte für die nächsten zwei Stunden und rocken uns noch ein letztes Mal die Seele aus dem Leib. Der letzte Ton, sieben Leute liegen über die Bühne verteilt auf dem Boden. Vorbei, Das war’s. Am nächsten Morgen versucht uns die Filmcrew weißzumachen, dass unser Tourbus über nacht gestohlen worden ist; hat aber keinen interessiert. Eine kleine Anekdote am Rande: Wenn ich mich recht entsinne, war es 1997, als Bente und ich genau hier die Geburtsstunde von Der Fall Böse erlebten. Eine richtige Band gab es damals noch nicht. Eine Open-Jam Session kam uns sehr gelegen. Bente am Schlagzeug, ein Typ, der sämtliche Hendrix-Riffs rauf und runter spielte, ein uralter Freak am Bass und ich am Mikrofon. Wir spielten zwei Stücke. Die ersten beiden Böse-Texte begleitet von Jimi Hendrix-Crossover-Style. Ein völlig unwirkliches Erlebnis damals. Als ich den alten Bassisten anschliessend bei ein paar Bier fragte, was er denn so beruflich macht, sagte er: „ ich gebe Menschen Ratschläge“. Welche Art von Ratschlägen?, fragte ich. „Ratschläge, die dir helfen zu überleben, brauchst du einen?, kostet dich 10 Dollar“. Die Barbesitzerin sagte:“you guys made history in this club, you have to come back sometimes“. Ich antwortete: ”vielleicht eines Tages, wenn wir reich und berühmt sind“. Nun, wir sind nicht reich, und wir sind auch nicht berühmt und werden es wohl auch nicht werden, aber es gibt die Band und wir sind wieder hier. Das ist doch wohl das einzige, was zählt. Hier begann alles und hier schliesst sich der Kreis.