{"id":266,"date":"2007-02-28T22:48:21","date_gmt":"2007-02-28T20:48:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.derfallboese.de\/wordpress\/?p=266"},"modified":"2010-10-25T22:04:02","modified_gmt":"2010-10-25T20:04:02","slug":"middleofnowhere-%e2%80%93-hippie-kommune-280207","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.derfallboese.de\/wordpress\/2007\/02\/28\/middleofnowhere-%e2%80%93-hippie-kommune-280207\/","title":{"rendered":"Middleofnowhere \u2013 Hippie Kommune 28.02.07"},"content":{"rendered":"<p>Der Grund daf\u00fcr, dass wir Coffs Harbour als Auftrittsort angegeben haben, ist der, dass es der n\u00e4chste bewohnte Ort von der Kommune ist. Die Wegbeschreibung zur Kommune selbst, ist folgende: Ihr fahrt einfach 100 km auf dieser Schotterstrasse in Richtung Westen, dann links, und wenn ihr an einem Gef\u00e4ngnis vorbeikommt, bleibt auf keinen Fall stehen und filmt auch nicht. OK!? (Die Frage, warum hier ein Gef\u00e4ngnis steht, wird wahrscheinlich niemand beantworten k\u00f6nnen oder wollen). Das Navigationssystem ist nutzlos, da es weit und breit keine registrierten Strassen gibt. Ich weiss nicht mehr genau warum, aber aus irgendeinem Grund kursierte im Bus das Ger\u00fccht, dass unser Ziel eine schwule Hippie Kommune sei. Unser Kontaktmann Bruce fragte n\u00e4mlich unter anderem, ob wir P\u00e4rchen in der Band h\u00e4tten. Unsere Annahme wird durch unz\u00e4hlige, liebevoll verknotete, rosa B\u00e4ndchen, die als Wegmarkierung an \u00c4sten und B\u00e4umen befestigt sind, untermauert. ngg_shortcode_0_placeholderWir befinden uns nun also wieder mitten in den Bergen, auf kaum befahrbarem Untergrund, spielen Achterbahn und suchen ein Tal, das nirgends verzeichnet ist, um eine Horde schwuler Hippies zu treffen. Wir entdecken mitten im Nichts eine an einem Baum befestigte Tafel, auf der geschrieben steht: Come all tonight Des For Bose, 12-piece reggae band from Hamburg, womit wahrscheinlich wir gemeint sind. Also nehmen wir den Weg und landen in dem besagten Tal. Dort befinden sich einige kleine, bunt bemalte H\u00fctten, ein Freiluftklo, eine ziemlich grosse Half-Pipe (f\u00fcr die Skater unter uns) und etwas, das irgendwie aussieht wie ein Clubhaus. ngg_shortcode_1_placeholderEine \u00fcppige Sonnenterasse ist in drei Meter H\u00f6he komplett um das Geb\u00e4ude gezimmert. An der provisorischen Bar r\u00e4umt gerade jemand Bier in eine Art Holz-K\u00fchlschrank. Meine erste Bekanntschaft mit einem echten Hippie, und das muss ja wohl einer sein. Er ist ca 2 Meter gross, heisst Tyrone, und besteht im Grunde nur aus Bart und Bauch. Von seinem roten, viel zu engem T-Shirt, lacht mir Mr T. vom \u201eA-Team\u201c entgegen. Sieht lustig aus. Wir unterhalten uns kurz \u00fcber Diesel-Generatoren und Hitler w\u00e4hrend sich die Terrasse langsam f\u00fcllt.  ngg_shortcode_2_placeholderWir werden von jedem, der neu hinzukommt, sehr herzlich empfangen. Alles sehr robuste Kerle. Man sagt uns, dass sich hierher nicht viele Menschen verirren und auch nicht gerne gesehen sind, es sein denn, sie werden pers\u00f6nlich eingeladen. Und ja, es gibt auch Frauen, was den einen oder anderen von uns sichtlich erleichtert. Bruce, ich nenne ihn mal Stammesh\u00e4uptling, l\u00e4dt mich und die Film-Crew zu einer Rundfahrt durch die \u201eStadt\u201c ein. W\u00e4hrend der Fahrt (man versteht kaum sein eigenes Wort) mit seinem Pick-up \u00fcber brutal holpriges Gel\u00e4nde, welches den zwangsl\u00e4ufigen Tod jedes normalen Stadtautos zur Folge h\u00e4tte, benutzt er Ausdr\u00fccke wie Innenstadt, Vororte, Reichenviertel, west- und eastend; man bemerke, dass wir gerade durch ein strassenloses, dicht mit Wald bewuchertes Gebirge fahren, in dem ca 80 Aussteiger in verstreuten, selbstgebauten Holzh\u00fctten und ausrangierten Wohnwagen leben. ngg_shortcode_3_placeholderEr erz\u00e4hlt sehr skurrile Geschichten von Dieben, explodierenden Autos, Hubschraubern und halbnackten Typen im Schnee bewaffnet mit Schrotflinten. Die Leute hier haben ihre eigene Infrastruktur und sind allesamt Selbstversorger. Das ben\u00f6tigte Geld wird durch den Verkauf der angebauten Naturalien verdient. Ab und an f\u00e4hrt mal jemand in die n\u00e4chste Stadt und besorgt das n\u00f6tigste. Strom wird aus Solarenergie bezogen oder mit Generatoren erzeugt. Wasser gibt\u2019s aus dem Fluss.<\/p>\n<p>Im Clubhaus steht eine kleine Anlage f\u00fcr uns bereit. Wir fangen irgendwann nachts an zu spielen. Man merkt, dass die Leute sehr dankbar sind, mal wieder Live-Musik zu h\u00f6ren, offensichtlich eine sehr willkommene Abwechslung. W\u00e4hrend des zweiten Songs erhalten wir bereits die Gage; in Form einer grossen Woolworth- Einkaufst\u00fcte voll mit Gras, die einer der Hippies in Joe\u00b4s Saxophon stopft. 50 Dauerkiffer w\u00e4ren sch\u00e4tzungsweise ein Jahr lang damit besch\u00e4ftigt. Wie wir feststellen, sind hier Drogen aller Art, in jeglicher nur erdenklichen Form und Konsistenz, ein sehr g\u00e4ngiges Gebrauchs- und Grundnahrungsmittel, was auf der anschliessenden, ich nenne es mal leicht ausufernden aber sehr friedlichen Aftershowparty deutlich wird. Die Nacht wird lang, aber die Grenzen von Tag und Nacht haben sich f\u00fcr uns in den letzten drei Wochen aus bekannten Gr\u00fcnden ohnehin komplett verschoben. Wir sind von normalen Tagesabl\u00e4ufen und regelm\u00e4ssigen Schlafenszeiten soweit entfernt wie George W. Bush von einem zusammenh\u00e4ngenden Satz. An den n\u00e4chsten Morgen kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich wache gegen sp\u00e4ten Nachmittag in dem Auto unseres Technikers Jan auf, der Bandbus direkt hinter uns. Ich denke an das Geschehene zur\u00fcck und habe das Gef\u00fchl, eine unglaubliche Erfahrung gemacht zu haben. Den anderen geht es sicher ebenso. G\u00e4be es so etwas wie einen Nullpunkt der k\u00f6rperlichen Belastbarkeit, dann h\u00e4tten wir ihn jetzt erreicht. Wir sind auf unserer letzten Etappe; 700 km in Richtung Katoomba.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Grund daf\u00fcr, dass wir Coffs Harbour als Auftrittsort angegeben haben, ist der, dass es der n\u00e4chste bewohnte Ort von der Kommune ist. Die Wegbeschreibung zur Kommune selbst, ist folgende: Ihr fahrt einfach 100 km auf dieser Schotterstrasse in Richtung &hellip; <a
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